Perspektive

Städte können sich heute nicht mehr am Leitbild einer stetig wachsenden Stadt orientieren. Sie müssen sich auf mittelfristig weiter sinkende Einwohnerzahlen und eine veränderte Generationenstruktur einstellen.

Urbane Lebensqualität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hängen jedoch nicht von einem Wachstum an Einwohnern und Flächenverbrauch ab, sondern vom qualitativen Wachstum zukunftsfähiger Branchen und Projekte. Eine moderne Konzeption der Stadt 2010 setzt deshalb darauf, den zusätzlichen Raum durch frei werdende Flächen positiv anzunehmen: Weniger ist mehr.

Die Strukturumbrüche in der Industriegesellschaft wirken sich massiv auf das Stadtgefüge aus, aber sie lassen die Städte nicht automatisch von den Rändern her zum traditionellen Zentrum schrumpfen. Stadtplanung muss deshalb die Frage beantworten, mit welchen Instrumenten und an welchen Orten in den Fragmenten der Stadt des 20. Jahrhunderts weiterhin Urbanität organisiert werden kann.

In Ostdeutschland ist der industrielle Strukturwandel - in Verbindung mit dem Systembruch - so radikal über die Städte gekommen, dass für einen allmählichen Anpassungsprozess keine Zeit blieb. Anhaltend hohe Arbeitslosigkeit sorgt in vielen Regionen für eine dramatische Abwanderung. Deshalb müssen hier Umgestaltungen in wenigen Jahren vollzogen werden, die andernorts Jahrzehnte dauern.

In Sachsen-Anhalt stehen dauerhaft 200.000 Wohnungen leer und sollen abgerissen werden. Dank der frühzeitigen, flächendeckenden Erarbeitung von Stadtentwicklungskonzepten in insgesamt 43 Städten sind hier die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Stadtumbauprozess besonders gut.

Über herkömmliche, an der stadträumlichen Entwicklung orientierte Konzepte hinaus ist eine Schärfung des wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Profils der jeweiligen Stadt erforderlich. Ziel der IBA ist es, die Entwicklung solcher Profile mit geeigneten Projekten vor Ort voranzubringen.