Staßfurt am See
 
Die Stadt macht aus ihren Bergbauproblemen das Beste – eine feine Adresse
 

Bis zu sieben Meter tief sind Teile von Staßfurts Altstadt abgesunken – als Folge unsachgemäßer Sicherung der Kalistollen aus dem 19. Jahrhundert – mehrere hundert Gebäude, darunter Stadtkirche und Markt, mussten in den vergangenen fünfzig Jahren deshalb abgerissen werden. Jetzt nimmt die Stadt ein Projekt in Angriff, das der Altstadt wieder eine Perspektive gibt: Am 18. Juli 2005 war Baubeginn für einen See, der die trostlosen Brachflächen ersetzen und Lebensqualität in das Herz der Stadt bringen wird.

"Endlich etwas Sichtbares nach all den Untersuchungen und Plänen”, freut sich Horst Müller von der Landesentwicklungsgesellschaft SALEG, der die Altstadtsanierung in Staßfurt betreut und das Projekt seit fast 15 Jahren verfolgt hat: “Vor der Wende war die Altstadt abgeschrieben – danach war der Wille da, aber wegen der komplizierten Fragen, wie mit den Senkungen technisch umzugehen ist, kamen wir unglaublich langsam voran.” Mit dem See erhalte Staßfurt ein echtes Stück Identität, so Müller. Genau über dem versunkenen Altstadtkern gelegen, ist er im Ergebnis ein Dokument des Kalibergbaus, der 1851 in Staßfurt erfunden wurde und dem die Stadt einen enormen Entwicklungsschub und Jahrzehnte des Wohlstands zu verdanken hat.

Voraussetzung für die Baumaßnahme war die komplette Umstellung der Entwässerung seit 1999, die mit der Inbetriebnahme eines neuen Pumpwerks im Juni diesen Jahres zum Abschluss kam. „Bis dahin wurde täglich etwa 800 m³ salzhaltiges Grundwasser in die Bode gepumpt, um den Senkungsbereich trocken zu halten”, erläutert Müller die technischen Grundlagen: “Mit der neu installierten dezentralen Entwässerung lässt sich diese Menge um etwa ein Drittel reduzieren.” Das Grundwasser soll künftig nur noch aus den bebauten Gebieten abgepumpt werden, während über dem ehemaligen Stadtkern eine “gesteuerte Vernässung” stattfindet – und damit ein 4.500 m² großer See entsteht.

In einem interdisziplinären Planungsverfahren hatten Architekten, Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Bürger bereits im Frühjahr 2004 Ideen für Staßfurts neue Mitte entwickelt. Das jetzt vom Stadtrat verabschiedete Konzept stammt vom Landschaftsarchitekturbüro Häfner + Jimenez: eine Low-Tech-Lösung, die natürliche Schwankungen des Grundwasserstandes durch unterschiedlich abgeböschte Uferbefestigungen aus Schotter ermöglicht und mit Sitzstufen am Ufer, Kirschbaumwiesen sowie Bepflanzung der Freiflächen ansprechende Naherholungsräume für die Anwohner schafft. “Die Vergangenheit wird nicht aufwändig inszeniert, aber auch nicht versteckt”, beschreibt Müller die Intention. So zeigen beispielsweise einige Straßen entsprechend ihrem bisherigen Verlauf in den See.

Das Zentrum bleibe Bergschadensgebiet, betont der SALEG-Planer – an eine Wiedererstehung des historischen Staßfurt sei nicht zu denken. Dass aber um den See herum auf freien Grundstücken, in Baulücken oder an leer stehenden Altgebäuden wieder gebaut wird, sei durchaus erwünscht, um die Reste der Altstadt zu stabilisieren und die städtebauliche Identität Staßfurts zu stärken. Müller: “Staßfurt am See, das wird demnächst eine feine Adresse sein.”

Zum 1200-jährigen Stadtjubiläum im Sommer kommenden Jahres soll der See bereits in Grundzügen erkennbar sein. Weil Stadt und SALEG in Staßfurt eine für die spezifische Situation einzigartige Lösung entwickelt haben, die zugleich beispielhaft für andere europäische Regionen mit Bergbaufolgeschäden sein kann, hat die Internationale Bauausstellung IBA Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 das Projekt inzwischen in ihr Programm aufgenommen.

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